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Artenschutz und Weidewirtschaft

Artenschutz und Weidewirtschaft

Mit Extensivweiden zu mehr Biodiversität

Wenn wir über gelungenen Naturschutz reden, dann haben wir oft ein bestimmtes Bild im Kopf: unberührte Wälder, urwüchsiges Gebüsch, dichte Vegetation … Doch diese Art Natur ist in Mitteleuropa seit Jahrmillionen nicht mehr heimisch. Seit der letzten Eiszeit ist die hiesige Landschaft geprägt von steppenartigen Strukturen und lichten Niederwäldern. In den vergangenen rund 8.000 Jahren wurde eine Kulturlandschaftsgeschichte geschrieben, die zum größten Teil von extensiver Weidehaltung erzählt. Extensive Weidehaltung, das bedeutet: Der Mensch griff nur wenig in den Naturhaushalt ein – seine Weidetiere grasten vielmehr in offenen Naturflächen und fungierten so als Architekten eines Ökosystems, das getrost als die Wiege der Biodiversität Mitteleuropas bezeichnet werden kann.

Vom Mammut über das Rind zum Hirsch – Großsäuger gestalten die Landschaft

Schon bevor der Mensch in der Eisenzeit erstmalig direkt gestaltend in die Vegetation eingriff, gab es Tiere, die die Flora in ihre Schranken verwiesen und die Landschaften äußerst vielfältig strukturierten. Weidetiere wie Elefanten, Rinder sowie Pferde und später Hirsche zogen durchs Land und hinderten durch ihr Fressverhalten die Bäume daran, dicht und hoch zu wachsen. Damit schufen sie ideale Bedingungen für die mitteleuropäische Fauna, die vorwiegend aus Offenlandarten besteht. Sie hinterließen Fladen, die einer Vielzahl von Insekten Nahrung boten und Horstgräser hervorbrachten, in denen Vögel sicher nisten konnten. Tiefe Hufspuren und Sandsuhlen dienten Wildbienen als Nistplätze, Weidepfade waren Wanderwege für Amphibien.

Von konstruktiver zu destruktiver Weidehaltung – der Mensch gegen die Artenvielfalt

Bis vor circa 200 Jahren funktionierte die Viehhaltung durch den Menschen auf ganz ähnliche Weise – nämlich extensiv, das heißt ausgedehnt, also in die Breite gehend – sowohl was die Flächen anging als auch die darin beheimateten Arten. Die Tiere weideten im Offenland und im Wald. Die Menschen zogen mit dem Vieh durch die Gegend. Eingezäunte Gebiete, die intensiv beweidet wurden, gab es nicht. Die Artenvielfalt auf diesen Flächen war vor 150 bis 200 Jahren auf ihrem Zenit.

Im 19. Jahrhundert allerdings stieg das Bevölkerungswachstum plötzlich an und verursachte Druck auf die Landwirtschaft, die nun gezwungen war, mehr Nahrungsmittel zu produzieren. Das Vieh kam größtenteils in den Stall, die Waldweide fand ihr Ende. Die Wälder verdichteten sich, wurden dunkel und für die meisten licht- und wärmeliebenden Arten unwirtlich. Die großflächig verteilten Kuhfladen verschwanden von den Weiden und wurden durch konzentriert ausgebrachte Gülle ersetzt. Und vielleicht das Wichtigste: Der Mensch begann zu mähen. Die landschaftsgestaltende Dynamik des umherziehenden Viehs wurde gestoppt.

Gemähte Wiesen bieten wenig Lebensraum

Gemeinhin wird angenommen, dass die Landwirtschaft vor allem durch den Eintrag von Mineraldüngern und Pestiziden in die Felder hauptverantwortlich für den Artenschwund ist. Insekten sterben, weil sie vergiftet wurden, und nach ihnen die Vögel, weil ihnen die Nahrung fehlt. Dr. Herbert Nickel, Biologe an der Universität Göttingen, widerspricht hier und sagt, dass die veränderte Weidehaltung in Kombination mit der intensiven Bewirtschaftung durch häufiges Mähen der Flächen ein viel schwerer wiegender Faktor ist. Nach einem Mahdschnitt liegt die Mortalitätsrate quer durch alle Arten bei 5 bis 80 Prozent. Schon nach kurzer Zeit existiert auf einer regelmäßig gemähten Fläche kaum noch tierisches Leben. Insekten finden keine Blüten, Amphibien landen im Gerät und Vögel suchen in flachen Wiesen vergeblich nach geschützten Brutplätzen. Das erklärt für Nickel den zunehmenden Artenschwund auch in Schutzgebieten, in denen nicht gedüngt wird und keine Pestizide zum Einsatz kommen. Gemäht wird aber auch hier.

Auf extensiv bewirtschafteten Weiden blüht die Artenvielfalt

Nach jahrzehntelangen Untersuchungen in der Thüringischen Allmende ist Nickel heute überzeugt: Extensiv bewirtschaftete Weiden können uns die Artenvielfalt zurückbringen. Auf einer von ihm untersuchten extensiv genutzten Waldweide konnte er eine geradezu explodierende Biodiversität beobachten. Innerhalb von sieben Jahren erhöhte sich die Anzahl der Rote-Liste-Arten von acht auf 135. In einer historisch alten Weidelandschaft konnte zwischen 2010 bis 2015 ein Anstieg der Laichballen von Grasfröschen von beinahe null auf etwa 2.000 beobachtet werden. Gemähtes Grasland hingegen ist im Wesentlichen reptilienfrei.

Von besonderer Bedeutung sind für Nickel die Rinder. Ein gesunder Kuhfladen beispielsweise ist ein vierstufiges Kleinsystem voller Leben. Der Dung ist Nahrung für Insektenlarven, die wiederum von der räuberischen Fliege gefressen werden, die ihrerseits dem Star als Nahrung dient. Die Hälfte aller mitteleuropäischen Vögel fressen Dungkäfer. Weidetiere wie Pferde oder Kühe sorgen auch an Tümpeln für vegetationsarme Uferbereiche, die wertvolle Nistplätze für Insekten darstellen. Sie fressen die Uferpflanzen ab und trampeln den Bereich platt. Das verhindert zugleich eine Verlandung der Wasserstelle und schützt so die Arten im Wasser.

Die LandwirtInnen als Kulturlandschaftspflegende

Die extensive Weidewirtschaft ermöglicht das Entstehen und den Erhalt einer heterogenen Landschaftsstruktur, in der blütenreiche Habitate neben erodierten Weidepfaden koexistieren – hier nisten die Insekten, dort finden sie Nahrung.

Eine großflächige Extensivweide mit Rindern und Pferden kommt dem ursprünglichen Lebensraum, an den unsere Flora und Fauna seit Jahrmillionen angepasst ist, am nächsten. Eine solche Viehwirtschaft würde es ermöglichen, die LandwirtInnen als Kulturlandschaftspflegende in den Naturschutz mit einzubeziehen und die Landwirtschaft so zukunftsfähig zu machen.

Mehr Wissenswertes über alte und neue Methoden einer zukunftsfähigen Landwirtschaft erfahren Sie in unserem Blog.

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